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Testbericht: COMfortel IP-DECT

Das Auerswald COMfortel IP-DECT-System

Ein noch recht jungens Produkt im Portfolio des innovativen Herstellers Auerswald aus Cremlingen ist das COMfortel IP-DECT-System. Lesen Sie nachfolgend unsere Erfahrungen, die wir inzwischen nach Montage und Inbetriebnahme einiger Systeme machen konnten. Dabei haben wir sowohl die unterschiedlichen Mobilteile M-100 und M-200  als auch die Basisstation im Einzel- und Mehrzellenbetrieb im Einsatz.

 

 

Comfortel M-100 rot

Comfortel M-100 rot

Die einzelnen Komponenten eines COMfortel IP-DECT-Systems

Das COMFortel IP-DECT-System ist modular aufgebaut und besteht immer aus mindestens einem IP-DECT-Server, einer oder mehrerer Basisstationen und natürlich der gewünschten Anzahl an Mobilteilen.

Dabei gibt des den IP-DECT-Server sowohl einzeln in Form des COMfortel WS-650-IP als auch mit bereits integrierter Basisstation (Sender) unter der Bezeichnung COMfortel WS-400-IP.

 

 

Zur Erweiterung der Funkabdeckung, also dem Bereich eines Geländes oder Gebäudes, den ich mit Schnurlostelefonie abdecken möchte, stehen mir mit der COMfortel WS-Base vollwertige Basisstationen und mit den COMfortel Repeatern R2/R4 entsprechende Reichweiten-Verstärker zur Verfügung.

 

Was wird benötigt für Installation und Inbetriebnahme?

Bevor es an die Auswahl und Beschaffung der benötigen Komponenten geht, bedarf es einer soliden Planung. Hierbei ist es um so wichtige Fragen wie:

  • die gewünschte Funkabdeckung
  • die Anzahl der Mobilteile
  • wieviel Gespräche gleichzeitig übder das DECT-System geführt werden sollen
  • die Montageorte der Basisstationen / Repeater
  • Strom und Netzwerkanschlüsse (PoE?)
  • die Qualität der Netzwerk-Infrastruktur
  • freie VOIP-Kanäle in der Telefonanlage

Erst mit diesen Eckdaten ist es möglich, die geeigneten Basisstationen, Server und Mobilteile fest zu legen sowie die notwendigen Vorbereitungen für eine Montage und Inbetriebnahme zu planen.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der gewünschten Funkabdeckung, bestimmt diese doch maßgeblich die Anzahl der benötigten Sender (Basisstationen). Im optimalen Fall lässt man eine sogenannte Ausleuchtung vornehmen. Dabei wir mit Hilfe von Messgeräten die Anzahl der erforderlichen Sender und deren Standort festgelegt. In Abhängigkeit der Standorte kann dann geprüft werden, ob überall die zwingend erforderlichen Netzwerk und/oder Stromanschlüsse bereitstehen. Eine professionelle Ausleuchtung erfordert einiges an Erfahrung und sollte daher nur durch qualifizierte Fachhändler oder Funktechniker vorgenommen werden, schließlich soll am Ende ja erreicht werden, dass eine flächendeckende Versorgung des Nutzungsbereichs gewährleistet ist. Sich auf die technischen Angaben des Herstellers hinsichtlich der Reichweite zu verlassen, reicht also keineswegs aus, zumal diese Angaben den optimalen Fall bei freier Sicht auf die Basis darstellen. Jede Wand oder sonstige Bebauung dazwischen sorgt für eine Verschlechterung dieser theoretischen Reichweite von ca. 300m.

Sind alle Fragen geklärt, kann das Material beschafft und installiert werden. Positiv aufgefallen ist uns bei der Montage, dass die Basisstationen mit einer Größe von etwa 10x10cm im Vergleich zum Vorgänger-System IP-DECT-1040 deutlich kompakter sind. Dadurch ergeben sich zahlreiche neue Möglichkeiten für eine unauffällige Montage.

Sind alle Basisstationen und ggf. Repeater installiert und ans Netzwerk angeschlossen, geht es mit der Grundkonfiguration weiter um abschließend die Mobilteile anzumelden und die Zuweisung zu den Teilnehmern in der Telefonanlage durchzuführen. Die Konfiguration der Basisstationen klappt reibungslos und schnell.

Abschließend wird die Funkversorung in der Praxis getestet und nach erfolgreichem Verlauf dem Kunden für den Echtbetrieb übergeben.

 

Unser bisheriger Eindruck

Auerswald ist es mit dem neuen COMfortel IP-DECT-System gelungen, ein preislich angemessenes und leicht einzurichtendes DECT-Mehrzellen-System auf IP-Basis ins Produktangebot aufzunehmen. Die Besonderheiten der Technik (Funk und IP) bedürfen auf der Fachhändler-Seite zwar einer gewissen Kompetenz, dennoch ist die Einrichtung bei weitem einfacher, schneller und damit auch wirtschaftlicher als bei den Vorgänger-Systemen.

Bei den Mobilteilen wäre etwas mehr Auswahl sicher wünschenswert. Zwar gibt es das M-100 in verschiedenen Farben und auch passenden Zubehör in Form von Ledertaschen etc. doch verglichen mit der allseits bekannten Auswahl bei z.B: den Gigaset-Telefonen ist das dem einen oder anderen vielleicht zu wenig. Zum Thema „Mobiteile von Fremdherstellern“ ist zu sagen, dass es prima funktionieren kann, jedoch absolut nicht muss. Da kommt es auf den Einzelfall an.

 

Fazit

Uns hat das System durchweg überzeugt und wir werden es weiterhin bei unseren Kunden zum Einsatz bringen. Einzig der Preis ist aufgrund der verwendeten IP-Technik verhältnismässig teuer im Vergleich zu konventioneller Technik in Form von S0 oder UP0-Anschlüssen, rechnet sich aber schnell, da eine vorhandene strukturierte Verkabelung ausreicht und sich die Wartung der Systeme deutlich einfacher gestaltet.

 

Michael Hohmann
 

Hallo, ich bin Michael - ein Auerswald-Partner aus Leidenschaft. Bereits seit 1994 widme ich mich dem Thema Auerswald-Telefonanlagen mit großer Hingabe. In den letzten 20 Jahren haben ich mir in zahlreichen Schulungen und durch berufliche Praxis in Aufbau und Installation das notwendige Wissen angeeignet und so die Auerswald-Qualifizierungsstufe Q3 erlangt. Mein Ziel ist es, mit meinem Wissen anderen dabei zu helfen, Ihre Kommunikationslösung optimal zu nutzen. Deshalb habe ich diese Seite ins Leben gerufen in der Hoffnung, dass auch für Dich das passende Thema dabei ist.

  • Frank sagt:

    Hallo,

    oben im Artkel war die Rede von Fremdsystemen (geht ode geht nicht).
    Ist es möglich anstatt des sehr partanisch ausgestatteten M-100 ein DECT-IP Gerät von Gigaset an die WS-400 anzubinden ?

    Oder gibt´s es evt. eine andere Alernative (also nicht jetzt von dem 200 und 300 reden), sondern eines anderen Herstellers ?

    Ich habe eine Comander 6000 mit einer Multizellen WS-400 und drei Base im Einsatz und würde gerne andere IP-DECT Handsets zusätzlich einrichten.

    • Michael Hohmann sagt:

      Hallo Frank,

      dazu kann ich keine verlässliche Aussage treffen. Einige Mobilteile von Gigaset lassen sich anmelden, andere hingegen nicht. Und selbst wenn es aktuell funktioniert, gibt es keine Garantie, dass die Mobilteile nach einem Firmware-Update immer noch unterstützt werden. Auch werden u.U. nicht alle Leistungsmerkmale zur Verfügung gestellt, die das Mobilteil normaler Weise hat. Hintergrund ist, dass die Registrierung auf Basis des kleinsten gemeinsamen Nenners (GAP-Standard) erfolgt. Und der besagt lediglich, dass sich ein Mobilgerät von Hersteller A an einer Basis von Hersteller B registrieren lassen muss. Darüber hinausgehene Funktionen – das fängt schon beim Vermitteln und der Rufnummernanzeige an – müssen nicht unterstützt werden.

      Um beispielsweise Gigaset-Mobilteile nutzen zu können, müsste man dann auch eine Gigaset Basis verwenden. In einem Mehrzellen-System bleibt da nur die N720 Pro in verbinden mit den zugelassenen Pro-Mobilteilen übrig. Damit könnte man z.B. auch einen Zugriff auf das Anlagen-Telefonbuch bewerkstelligen. Aber Achtung: Gigaset ist hier ein prominentes Beispiel für meine bisherigen Ausführungen. Selbst Mobilteile aus dem Hause Gigaset an einer Basisstation aus dem Hause Gigaset unterstützen nicht alle Funktionen, ein Zugriff auf das zentrale Telefonbuch beispielsweise funktioniert auch hier nicht in allen Fällen.

      Alles in allem ist man also gut beraten, Basis und Mobilteile vom gleichen Hersteller zu verwenden und bei den Mobilteilen darauf zu achten, dass diese auch wirklich für die jeweilige Basisstation zugelassen sind seitens des Herstellers. Alles andere kann schnell zu einem Abenteuer werden.

      Alternativ zum Gigaset Pro könnte man auch noch das SNOM-System nehmen (BASE 700 mit den dazugehörigen Mobilteilen).

      Gruß
      Michael

  • Ulrich Papendick sagt:

    Habe aus Gründen kürzlich ein WS-400 mit 2 M200 angeschafft und mit unserer 5020 in Betrieb genommen. Funktioniert alles an und für sich soweit ich es eingerichtet habe – auch prima mit BT-Headset. Ein wesentliches Manko was mir aber sehr auf die Füsse fällt, ist dass es nicht möglich zu sein scheint, die angerufenen DUWAs mit ihren Nummer oder den eingetragenen Namen anzuzeigen … wie es bei den Comfortel-Systemtelefonen auch geht. Oder hat sich da was gut vor meinen Augen versteckt?

    • Michael Hohmann sagt:

      Ja das stimmt leider. Über welche Gruppe der Anruf eingeht, ist am Mobilteil nicht darstellbar. Hintergrund dürfte der sein, dass die DECT-Teilnehmer im Prinzip Standard-SIP-Endgeräte sind und keine Systemtelefone. Würde man das Systemtelefon bespielsweise durch ein Standard-ISDN-Telefon ersetzen, stünden die Informationen übrigens auch nicht zur Verfügung.

      Falls es mal irgendwann eine Unterstützung dieser Funktion geben wird (was mir nicht bekannt ist), dann kann ich mir allerdings nicht vorstellen, dass es die 5020 davon noch profitieren wird. Die Anlage wird ja bereits seit geraumer Zeit nicht mehr gebaut und geliefert.

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